Die Weggemeinschaft „Quellort Marienfließ“ startet nach umfassendem Erneuerungsprozess neu, neun Gründungsmitglieder unterzeichnen die Beitrittserklärung

Bundesweite Einladung an Menschen, die verbindliches christliches Leben in ökumenischer Offenheit suchen

Am 31. Mai 2026 hat sich im historischen Klosterstift Marienfließ in der Prignitz die christliche Weggemeinschaft „Quellort Marienfließ“ offiziell neu gegründet. Am 19.7.2025 zerbrach die Vorgängergemeinschaft an Konflikten über den Umgang mit der Mitgliedschaft eines aktiven AfD-Mandatsträgers. Mit einem grundlegend überarbeiteten Gründungstext, einem fünfstufigen Aufnahmeverfahren und verbindlichen Transparenzregeln beginnt die neue Gemeinschaft nun einen bewussten Neuanfang.

Die Erfahrungen des vergangenen Jahres haben die Beteiligten nachhaltig geprägt. Ein Mangel an verbindlichen Regelungen führte dazu, dass die politische Funktion eines Mitglieds nicht allen Mitgliedern der Gemeinschaft bekannt war. Nach ihrem Bekanntwerden kam es zu Spannungen, die schließlich zur Auflösung der damaligen Gemeinschaft führten.

„Wir haben im vergangenen Jahr schmerzhaft gelernt, dass Vertrauen tragfähige Strukturen braucht“, erklärt Helmut Kautz, der gemeinsam mit seiner Frau Almut Kautz in das Priorat der neuen Gemeinschaft gewählt wurde. „Wir übernehmen Verantwortung für Fehler, die geschehen sind. Gleichzeitig glauben wir, dass Versöhnung durch Jesus und ein liebevoller Neuanfang möglich sind. Deshalb schaffen wir heute Strukturen, die Offenheit, Transparenz und gegenseitige Verantwortung fördern.“

Einfachheit, Achtsamkeit und ökumenische Offenheit

Die Weggemeinschaft versteht sich als geistlicher Lebensort für Menschen, die ihren Glauben verbindlich gemeinsam leben möchten. Sie möchte zugleich ein Ort sein, an dem Menschen Gott begegnen, Hoffnung schöpfen und tragfähige Beziehungen erleben können.

Das Leitbild lautet:

„Im Klosterstift Marienfließ können Menschen Gott begegnen, Hoffnung schöpfen und in echten, heilsamen Beziehungen wachsen. Dafür leben wir als Weggemeinschaft im Vertrauen auf Jesus einfach, achtsam und verbunden miteinander und setzen uns für das Wohl der Menschen in unserer Region ein.“

Die Gemeinschaft ist geprägt von gemeinsamen Gebetszeiten, gemeinsamen Unternehmungen und dem Engagement für die Menschen der Region.

Um das geistliche Leben langfristig zu sichern, hat sich die Gemeinschaft eng an die historische Stiftung des Klosterstifts angebunden. Der „Marienfließer Konsens“ regelt die jährliche Berichterstattung gegenüber dem Stiftskapitel. Darüber hinaus dient das jährlich stattfindende „Marienfließer Forum“ dem offenen Austausch und der frühzeitigen Wahrnehmung möglicher Konflikte. Ergänzend lässt sich die Gemeinschaft einmal jährlich von zwei externen Personen visitieren.

Bundesweite Einladung an Suchende

Die Weggemeinschaft lädt Menschen aus ganz Deutschland ein, ihren Lebensweg gemeinsam mit anderen Christen zu gestalten – unabhängig davon, ob sie alleinstehend sind, als Familie leben oder sich im Ruhestand befinden.

Interessierte durchlaufen ein strukturiertes fünfstufiges Aufnahmeverfahren. Dazu gehören Kennenlernphasen, ein mehrwöchiges Probewohnen sowie eine Probezeit. Ziel ist es, dass sowohl die Gemeinschaft als auch die Bewerber sorgfältig prüfen können, ob ein harmonisches Zusammenleben in der Weggemeinschaft möglich ist. Wohnraum steht auf dem Gelände des Klosterstifts zur Verfügung.

„Wir wissen, dass wir noch am Anfang stehen“, betont die Priorin Almut Kautz. „Doch wir sind dankbar, dass an diesem geschichtsträchtigen Ort neues gemeinschaftliches Leben wachsen darf. Wir wünschen uns eine Gemeinschaft, die aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernt und Menschen Hoffnung, Orientierung und Heimat bietet.“

Direkte Mitbestimmung und klare Verantwortungsstrukturen

Das Leitbild und der Gründungstext, der von den neun Gründungsmitgliedern einstimmig beschlossen wurde, verteilt Verantwortung bewusst auf mehrere Ebenen und stärkt die Mitwirkung aller Mitglieder.

Neben Priorin Almut Kautz und Prior Helmut Kautz wurde ein Gemeinschaftsrat eingerichtet, dem zusätzlich Dominik Herbst und Nina Sterneck angehören. Dieses operative Leitungsteam begleitet die Arbeit des Priorats, gestaltet Entscheidungen mit und trägt gemeinsam Verantwortung für die Entwicklung der Gemeinschaft.

Zu den zentralen Regelungen gehört die Verpflichtung aller Mitglieder, politische Mandate oder öffentliche Ämter gegenüber dem Gemeinschaftsrat offenzulegen.

Das Statut ermöglicht darüber hinaus einen Ausschluss aus der Weggemeinschaft bei gemeinschaftsschädigendem Verhalten. Dazu zählt ausdrücklich auch der Versuch, die Gemeinschaft für verfassungsfeindliche oder spalterische politische Zwecke zu instrumentalisieren.

Hintergrund

Das Klosterstift Marienfließ in Stepenitz wurde 1231 durch den Ritter Johann Gans zu Putlitz gegründet und gilt als das älteste Zisterzienserinnenkloster Brandenburgs. Nach der Reformation wurde es in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Heute gibt es auf dem Gelände verschiedene kirchliche und kulturelle Angebote.

Die Weggemeinschaft „Quellort Marienfließ“ lebt auf dem Gelände des Klosterstifts in gemietetem Wohnraum. Sie gestaltet ihr geistliches Leben eigenständig und arbeitet dabei in enger Abstimmung mit dem Stiftskapitel zusammen.